Chronik

Ausgangspunkt zur Gründung des Caritasverbandes Braunschweig war der Katholikentag in Stuttgart im August 1925. Im Kath. Wochenblatt Braunschweigs aus dem Jahr 1925 (November-Nummer) heißt es: "Was nützt die schönste Predigt, wenn Kinder und Eltern keine Schuhe und Kleider haben und die leibliche Not das arme Herz ganz und gar vergrämt. Es bricht einem das Herz, wenn die Eltern weinen ob des Elends ihrer Kinder, dass sie dürr und schlecht aussehen, ohne Brot gehen sie zur Schule. Alle Seelsorgearbeit in der Diaspora ist Sisyphusarbeit, wenn nicht die Caritas ihr zur Seite geht, die praktische, mit Mitteln ausgestaltete Hilfe für Existenz, Gesundheit und notwendigen Lebensunterhalt."

Ende 1925 fanden dann unter Leitung des damaligen Kaplans Unverhau Gespräche statt, die schließlich zur Arbeitsaufnahme des Caritasverbandes Anfang des Jahres 1926 führte. Die Arbeit geschah damals ehrenamtlich. Bereits ein Jahr später, am 13.6.1927, wurde die Bahnhofsmission gegründet.

Der Caritasverband hält im Bibliothekszimmer des damaligen Hauses Sandweg 16, heute Magnitorwall 16, jeden Dienstag von 4 bis 6 Uhr durch ehrenamtliche Mitarbeiter eine Sprechstunde ab.

1927 richtet der Caritasverband in Verbindung mit dem kath. Fürsorgeverein, ein Fachverband des DCV, eine Nähstube ein. Gleichzeitig werden ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gesucht, die Besuche im Krankenhaus machen.

In der damaligen Marianischen Jungfrauenkongregation wird im Oktober 1928 eine Caritassektion gegründet, die sich um hilfsbedürftige Kinder und alte Leute bemühen soll.

1928 bekam an Winterbeihilfe ein Alleinstehender 15,- RM, die Ehefrau 10,- und jedes Kind 7,- RM.

1930 findet im April im Nikolausstift ein Kursus für häusliche Krankenpflege statt, an dem 38 Frauen teilgenommen haben.

Durch Verfügung des Präsidenten des Landesarbeitsamtes Braunschweig wurde am 11. Mai 1930 dem Caritasverband Braunschweig die staatliche Genehmigung erteilt, eine nicht gewerbsmäßige Stellennachweis- und Arbeitsvermittlung einzurichten.

1930 bis 1933 war beim Caritasverband eine Fürsorgerin als erste hauptamtliche Mitarbeiterin tätig. Die Dienststunden des Caritasverbandes waren in der Zeit bis 1933 täglich von 8 - 13 Uhr und von 15 - 19 Uhr.

1930 verkauft der Caritasverband zum ersten Mal in Braunschweig Wohlfahrtsbriefmarken. Der Reinertrag wird für die Müttererholungsfürsorge verwendet. Damals gab es Marken zu 8, 15, 25 und 50 Reichspfennig.

In der Zeit von 1933 bis 1945 musste der Caritasverband in Braunschweig seine Arbeit einstellen. Er wurde gleichgeschaltet. Nur in einigen Pfarrgemeinden existierten die Caritashelferkreise für kath. Gemeindemitglieder weiter.

1945 begann der Caritasverband wieder seine Arbeit. Als erste hauptamtliche Mitarbeiterin kam am 2.1. Frau Friedrich und am 15.1.45 Frau Hübner. Zu den Sprechstunden im Caritasverband kamen im Mai 1946 beim Einsetzen des großen Flüchtlingsstromes täglich zirka 250 Menschen. Das Büro war damals das kleine Büro und Lehrerzimmer der Schule Sandweg 16. Die Menschen standen damals vom Magnitorwall bis in den Schulhof Friesenstraße Schlange. Der Leiter des Caritasverbandes war in dieser Zeit Herr Dr. Mansfeld, Kaplan an St. Nikolai, später Justitiar des Bistums Hildesheim. Er bemühte sich, die notwendigen materiellen Hilfen für die Caritasarbeit und die Bahnhofsmission zu erhalten. Von der amerikanischen Caritas und von Care wurden die gespendeten Nahrungsmittel verteilt. Die Arbeitszeit der hauptamtlichen Mitarbeiter betrug damals 12 bis 14 Stunden täglich. Im Oktober 1946 wurde nach der Aufführung des Hedwigspiels, das etwa 2000 Menschen besuchten, durch die Mitarbeiter des Caritasverbandes eine Jugendgruppe gegründet, die bald 120 Jugendliche umfasste.

Mit der Gründung von neuen katholischen Gemeinden wurden gleichzeitig auch neue Caritashelferkreise in den Gemeinden gebildet. Die Arbeit des Caritasverbandes Braunschweig wurde in Bezirke aufgeteilt. Frau Hübner übernahm den Bereich der Stadt, Frau Friedrich den des Landkreises. 1950 wurden die ersten Erholungskuren für Mütter und Kinder angeboten. Caritasorganisationen in der Schweiz, Belgien und den Niederlanden luden Kinder von Flüchtlingen für die Ferien ein.

Ab 1957 kamen in großer Zahl Spätaussiedler aus dem polnisch besetzten Gebiet und damit neue Aufgaben auf den Caritasverband zu. Im damaligen Altersheim St. Hedwig, Magnitorwall 16, nicht zu verwechseln mit dem heutigen Hedwigsheim, wurde eine Förderschule eingerichtet. Nach dem Ausscheiden von Frau Hübner kam Frau Rimy als Fürsorgerin nach Braunschweig. Ihr ist die Einrichtung der ersten Caritas-Altenbegegnungsstätte im Kolpinghaus wesentlich zu verdanken.

1963 begann Herr Caritasdirektor Hartmut Scupin seinen Dienst beim Caritasverband Braunschweig.

1963 nahm der Sozialassistent für italienische Arbeitnehmer, Herr Corona, beim Caritasverband seinen Dienst auf.

1963 wurde der erste Neubau einer Kindertagesstätte in der Donaustraße errichtet. 1965 wurde der Caritaskindergarten in Wolfenbüttel durch den Caritasverband Braunschweig erstellt und 1967 die Caritas-Kindertagesstätte St. Bernward.

Am 27. Oktober 1965 wurde der Caritasverband Braunschweig als rechtsfähiger Verein beim Amtsgericht eingetragen und führt seitdem in seinem Namen den Zusatz „e.V.“ Der erste Vorsitzende war Herr Domkapitular Propst Franz Freese. Von 1973 bis zu seinem Tod im August 2002 hatte Herr Propst Wolfram Trojok dann den Vorsitz des Caritasverbandes Braunschweig e.V. inne. Der jetzige Vorsitzende ist Herr Propst Reinhard Heine.

1966 begann die erste Ferienmaßnahme des Caritasverbandes in Heino / Holland. Über 30 Jahre fuhren Tausende von Kindern in das holländische Dorf.

1972 entstand der erste vollimportierte dänische Kindergarten in der Bundesrepublik Deutschland durch den Caritasverband Braunschweig e.V. an der Pfingststraße in einer Bauzeit von 3 Monaten.

1975 wurden 313 alte Bürger zu Erholungskuren verschickt.

1976 wurde die noch heute bestehende Sozialstation gegründet. Ihr 25-jähriges Bestehen haben wir im September 2001 gefeiert.

Eine von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragene Schularbeitenhilfe für Kinder aus sozialschwachen Familien wurde ebenfalls 1976 errichtet und bis 1990 betrieben.

Aufgrund des nicht endenden Zustroms von Aus- und Übersiedlern aus den ehemals deutschen Ostgebieten entstand 1976 das Jugendgemeinschaftswerk. Am 6. Nov. 2001 haben wir das 25-jährige Bestehen gefeiert.

1980 wurde das Aufgabengebiet Gemeindecaritas neu gegründet.

1981 schied Frau Friedrich, langjährige Sozialarbeiterin, aus ihrem aktiven Dienst aus.

1981 bis 1986 war Caritasdirektor Hartmut Scupin auch Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig.

1988 ging Caritasdirektor Scupin als Sozialdezernent nach Sindelfingen. Christian Baron, seit 1980 beim Caritasverband, wurde Nachfolger als Geschäftsführer des Verbandes.

Am 01.02.1989 zog der Caritasverband Braunschweig e.V., der lange Jahre seine Geschäftsstelle am Magnitorwall 16 hatte, in das ehemalige Kolpinghaus in der Kasernenstraße 30.

Am 01.10.1992 wurde die Nachbarschaftshilfe und Begegnungsstätte Böcklerstraße eingerichtet. Sie befindet sich im restaurierten Gebäude des neuen Altenpflegeheimes St. Hedwig.

Die Gemeinde Sickte, Landkreis Wolfenbüttel, fragte beim Caritasverband Braunschweig e.V. an, ob dieser bereit wäre, eine neu errichtete Kindertagesstätte in Betriebsträgerschaft zu übernehmen. Der Caritasverband sagte ja, übernahm den dortigen Kindergarten zum 01.09.1994 in seine Trägerschaft und gab ihm den Namen „St. Martin“.

Der Deutsche Caritasverband initiierte ein Modellprojekt „Freiwilligenzentrum“. Der Caritasverband richtete ein solches Freiwilligenzentrum ein. Zunächst in der Böcklerstraße. Später wurde es im „Haus der Caritas“ integriert.

In Zusammenarbeit mit der Nibelungen Wohnbaugesellschaft übernahm der Caritasverband am 16.03.1997 das Betreute Wohnen in der Gerastraße 1 mit 33 Wohnungen. Eine sozialpädagogisch betreute Seniorenwohngruppe für drei Damen wurde am 01.06.1997 im Gebäude des Betreuten Wohnens eingerichtet.

Im Jahr 2001 wechselte die Trägerschaft der „Regionalen Arbeitsstelle zur beruflichen Eingliederung junger Menschen in Niedersachsen (RAN)“ und die „Regionalen Arbeits- und Bildungsangebote für die Zukunft arbeitsloser Jugendlicher (RABaZ)“ sowie die „Mobile-RAN“ vom Bildungswerk der Deutschen-Angestellten-Gewerkschaft (DAG) zum Caritasverband Braunschweig e.V. Diese Projekte wurden auf Initiative des Landes Niedersachsen im Jahr 2004 im Pro-Aktiv-Center (PACE) zusammengefasst. Seit 2005 befinden sich die Büros in den Räumen des städtischen Beschäftigungsbetriebes in der Naumburgstrasse 23, in dessen Auftrag der Caritasverband Braunschweig e.V. das Individuelle Fallmanagement des PACE durchführt.

Der neue "i-Punkt" im Jenastieg 3/5 wurde von der Braunschweiger Baugenossenschaft saniert und der Caritasverband übernahm im April 2005 den Betreuungsservice für die Bewohner in 44 Wohnungen in den Etagen 1-7.

Der Caritasverband Braunschweig e.V. hat im Juni 2006 eine Stiftung gegründet. Zweck ist die Beschaffung von Mitteln für Projekte des Caritasverbandes Braunschweig e.V. sowie der katholischen Gemeinden auf dem Gebiet des Caritasverbandes in Grenzen des Dekanates Braunschweig (Stand 31.12.2005). Ziel der Stiftung ist die Förderung des Ehrenamtes, sowie der caritativen Arbeit.

Im Juni 2010 wurde die Kita St. Nikolaus als Familienzentrum eröffnet. Das Pilotprojekt dazu hatte bereits im September 2008 begonnen.

In der zweiten Jahreshälfte 2010 begann der Umbau des ehemaligen Pfarrhauses von St. Joseph in der Goslarschen Straße zu einer Kinderkrippe. Kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Und nicht immer verliefen die Bauarbeiten im ehemaligen Pfarrhaus St. Joseph ganz reibungslos. Die Struktur des als Wohnhaus konzipierten Gebäudes wurde komplett verändert. Um notwendigen Raum zu gewinnen, haben die Bauarbeiter die Treppe während des Umbaus aus der Mitte des Hauses in den Eingangsbereich verlegt. Nach Fertigstellung des Umbaus konnte dort eine neue Kindertagesstätte mit zwei Krippengruppen am 22. März 2011 eröffnet werden.

Zum 1. Januar 2013 hat die katholische Gemeinde St. Marien den Betrieb ihrer gleichnamigen Kindertagesstätte in Braunschweig dem Caritasverband als Betriebsträger  übertragen. Mit der Kita Sankt Marien, in der 75 Kinder betreut werden, betreibt der Caritasverband nun sieben Kindertagesstätten. Die Gemeinde hatte sich zu der Übertragung entschlossen, um den ehrenamtlich tätigen Kirchenvorstand zu entlasten, der vor zwei Jahren noch den Neubau einer Kinderkrippe bewerkstelligt hatte.

Die Jugendberufshilfe des Caritasverbandes (PACE) ist im August 2014 wieder von der Naumburgstraße in das Haus der Caritas in die Kasernenstraße 30 zurückgekehrt. Damit sind alle Beratungsdienste wieder unter einem Dach.